Verantwortung für das Gemeinwohl: Der Kompass unserer Wirtschaft!

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat wirtschaftliche Schäden von riesigem Ausmass verursacht. Die Wirtschaft hat Fehler gemacht und viel Vertrauen der Gesellschaft verspielt. Nachdem sich die Anzeichen mehren, dass die Krise einer zaghaften Erholung Platz macht, ist die Bereitschaft gross, wieder zur Tagesordnung überzugehen und auf eine Normalisierung des angespannten Verhältnisses zwischen Gesellschaft und Wirtschaft zu hoffen.

Wir, die Unterzeichnenden dieser Erklärung, möchten einen anderen Weg gehen: Wir sehen in der Krise eine Chance für die Entwicklung eines neuen Verständnisses zwischen Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Wir möchten an die lange Tradition in der Schweiz anknüpfen, Lösungen im Dialog zu finden. Leitidee und Kompass unseres Denkens und Handelns soll die gemeinsame Verantwortung für das Gemeinwohl sein.

Für uns steht fest:

  1. Unsere Wirtschaft ist Spiegelbild der Gesellschaft: Wir alle sind die Wirtschaft! Es gibt keine Aussenstehenden oder Unbeteiligten. Deshalb ist ein Miteinander unerlässlich für die Wohlfahrt unseres Landes.
  2. Die Schweiz zeichnet sich durch ein ausgeprägtes Gespür für Vernunft und Augenmass aus. Die grosse Mehrheit der Verantwortungsträger in Gesellschaft und Wirtschaft handelt verantwortungsvoll mit dem Blick aufs Ganze.
  3. Unternehmergeist und Eigenverantwortung auf der Basis einer freiheitlich geordneten Gesellschaft sind und bleiben die Quellen des hohen Lebensstandards in unserem Land. Diese dürfen nicht durch Aufsichts- und Kontrollmassnahmen unverhältnismässig eingeschränkt werden.
  4. An allen Stellen der Gesellschaft sind wieder mehr Zivilcourage und Risikobereitschaft gefragt, sich abzusichern darf nicht im Vordergrund stehen. Aus Verantwortung für das Gemeinwohl müssen wir Initiative ergreifen und schöpferisch neue Wege suchen.
  5. Unerlässlich ist die Diskussion darüber, was wir heute unter „Gemeinwohl“ verstehen wollen, worin der Beitrag eines jeden bestehen sollte. Die Kraft der Konflikte müssen wir nutzen, um auch für die nächsten Generationen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen.

Wofür wir einstehen:

Die Unterzeichner dieser Erklärung richten das eigene Handeln an einer „Verantwortungspyramide“ aus.

  1. Schäden für die Gesellschaft weder fördern noch dulden: Ausgangsbasis bildet das Bemühen, nicht wissentlich Schaden anzurichten. Dazu gehört, nicht gegen geltendes Recht zu verstossen und eigenes und fremdes Verhalten abzulehnen, das im Gewinninteresse gravierende soziale, ökologische oder kulturelle Schäden in Kauf nimmt.
  2. Gesellschaftliche Wertschöpfung anstreben: Schaden von der Gesellschaft abzuwenden ist allein noch keine Geschäftsgrundlage. Diese entsteht erst durch eine Verankerung jeder Geschäftsidee in den Bedürfnissen der Menschen. Wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen leisten wertvolle Beiträge durch eine Leistungserstellung, die sich am Gemeinwohl orientiert – und nicht dieses nur nebenbei fördert.
  3. Langfristige Profitabilität und wirtschaftliche Ressourcen schaffen: Der finanzielle und ökonomische Erfolg ist ein wichtiger Teil gesellschaftlicher Wertschöpfung. Gesellschaftlich verantwortbar ist deshalb nur, was jenseits von Jahresabschlüssen und spekulativen Auswüchsen ökonomisch nachhaltig wirkt.
  4. Anstand in Graubereichen zeigen: Jedes Unternehmen und jeder Unternehmer steht vor Entscheidungen, die zwar legal und profitabel sein können, aber nicht als legitim gelten und das Gerechtigkeitsempfinden massiv verletzen. Was in Graubereichen nicht mit gesellschaftlich akzeptierten Gründen gerechtfertigt werden kann, soll nicht zur Praxis verantwortungsvollen Unternehmertums gehören.

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Die Unterzeichnenden handeln nach diesen Grundsätzen; sie fordern und fördern die gesellschaftliche Debatte. Die individuellen Standpunkte der Unterzeichnenden zu konkreten Themen finden sich unter www.schweizerdialog.ch.

Die Unterzeichnenden:
Raymond J. Bär
, Julius Bär Gruppe AG, Präsident des Verwaltungsrates.
Alain Bandle
, Versatel AG, CEO, Düsseldorf. (Beitrittsdatum: 18. März 2010)
Ulf Berg
, BLR Partners AG, Unternehmer.
Andreas Binder
, Universität St. Gallen, Professor für Gesellschaftsrecht; Mitglied verschiedener Verwaltungsräte von Industrie-, Handels- und Finanzunternehmen.
Hans Christoph Binswanger
, Universität St.Gallen, emeritierter Professor für Volkswirtschaftslehre; Experte für Wirtschaft und Ökologie.
Pirmin  Bischof,
Nationalrat, Solothurn, CVP; Dr. iur., LL.M. (Harvard), Rechtsanwalt und Notar, Solothurn.
Martine Brunschwig Graf
, Nationalrätin, Genf, FDP.
Thomas Buberl
, Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG, CEO, Zürich, Schweiz.
Josef Felder
, Verwaltungsrat AMAG, Luzerner Kantonalbank, Victoria Jungfrau Collection, Schulthess Group und diverse weitere.
Philippe Gaydoul,
Gaydoul Group, Präsident des Verwaltungsrates.
Roman Geiser
, Burson-Marsteller Schweiz, CEO; Chief Operating Officer Burson-Marsteller EMEA.
Peter Gomez
, SIX Group, Verwaltungsratspräsident; Universität St. Gallen, Verantwortlicher Leiter der Führungsweiterbildung (Executive School)
Ursula Gut-Winterberger
, Regierungsrätin, Finanzdirektorin des Kantons Zürich, FDP.
Kathrin Hilber
, Regierungsrätin, Vorsteherin Departement des Innern, St.Gallen, SP.
Margit Osterloh
, Universität Zürich, Professorin für Betriebswirtschaftslehre; CREMA (Center for Research in Economics, Management and the Arts), Forschungsdirektorin.
Miriam Meckel
, Universität St.Gallen, Professorin für Corporate Communications; Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen, geschäftsführende Direktorin.
Timo Meynhardt
, Universität St.Gallen, Zentrum für Führung und Werte in der Gesellschaft, Geschäftsleiter.
Philip Mosimann
, Bucher Industries AG, Vorsitzender der Konzernleitung.
Urs Oberholzer
, Zürcher Kantonalbank (ZKB), Präsident des Bankrates.
Gerhard Pfister
, Nationalrat, Zug, CVP; Institut Dr. Pfister AG Oberägeri,  Präsident des Verwaltungsrates.
Michael Pieper
, Franke Holding AG, CEO und Inhaber.
Sybille Sachs
, Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ), “Center for Strategic Management: Stakeholder View“, Leiterin; Universität Zürich, Titularprofessorin.
Andreas Schmid
, Flughafen Zürich AG, Präsident des Verwaltungsrates; gategroup AG, Präsident des Verwaltungsrates.
Rolf Schweiger
, Ständerat, Zug, FDP; Rechtsanwalt und Notar, Zug.
Franziska Tschudi
, WICOR Gruppe, Delegierte des Verwaltungsrates und CEO.