Aktuell
Für Unternehmen bergen konstruktive Dialoge mit Stakeholdern grosse Chancen – und zwar auch ganz konkrete, wirtschaftliche. Drei Gründe, die dafür sprechen, einen solchen Austausch nicht nur als Kostenfaktor zu betrachten.
Von Ernst von Kimakowitz
Im ersten Teil dieses Artikels haben wir uns mit der Frage beschäftigt, wer eigentlich die Stakeholder einer Unternehmung sind (Teil I lesen). Nun möchte ich auf die Gründe eingehen, die mehr und mehr erfolgreiche Unternehmen dazu bewegen, sich in einen konstruktiven Dialog mit zivilgesellschaftlichen Akteuren zu begeben. Es sind in der Hauptsache drei miteinander verknüpfte Gründe, die für den Dialog sprechen:
- Zum Einen verleihen solche Stakeholderdialoge der Unternehmung Legitimität.
- Zum Zweiten erhält die Unternehmung ein Frühwarnsystem für gesellschaftliche Reaktionen auf Unternehmensentscheidungen.
- Und zum Dritten können aus dem Dialog Impulse für Innovationen erwachsen.
Ein Ziel der Initiative Schweizer Dialog ist es, die unternehmerische Verantwortungsübernahme für das Gemeinwohl zu stärken, und richtigerweise sind sich die Mitglieder der Initiative darin einig, dass hierfür der Dialog mit gesellschaftlichen Akteuren eminent wichtig ist.
Was für den Schweizer Dialog gilt, gilt auch für das Verhältnis zwischen Unternehmen und ihren Stakeholdern. Verantwortlich sein heisst – wie der Begriff deutlich macht -, antworten zu können auf Fragen, die das eigene Handeln betreffen. Verantwortungsübernahme beschreibt, dass man sich Fragen stellt, die das eigene Handeln betreffen. Eine verantwortungsvolle Unternehmung ist also in der Lage, ihr Verhalten transparent darzustellen und Fragen zu ihrem Verhalten argumentativ begründet zu beantworten.
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Erst gestern kam an dieser Stelle der Hinweis auf den Facebook-Radar von Politnetz.ch, eine hervorragende Möglichkeit, sich einen Überblick über die politische Landschaft der Schweiz auf dem weltgrössten Sozialen Netzwerk zu verschaffen. Und schon heute gibt es ein Update: Der Facebook-Radar ist noch besser geworden.
Denn nun lassen sich die politischen Gruppen und Seiten nicht mehr nur nach Zahl ihrer Mitglieder sortieren, sondern primär nach ihrer Wachstumsrate (über sieben oder einen Tag berechnet). Dies ist die aussagekräftigere Kennziffer, wie auch Andreas Amsler von Politnetz.ch in einem Kommentar zum gestrigen Linkhinweis hervorhebt: Sie seien mit dem Facebook-Radar angetreten, um zu zeigen,
«dass nicht die – in den Medien meist hervorgehobene – Mitgliederzahl einer Page oder Gruppe zum Ausdruck bringt, wie einflussreich/erfolgreich sie ist, sondern die Zuwachsrate an Mitgliedern. Denn nur das, was wächst, vermag bei den Menschen offensichtlich zu überzeugen. Die – wenn auch noch so mitgliederstarken – Facebook-Gruppen/Pages-Ruinen im Netz sind nämlich so einflusslos wie erfolglos.»
Die Top 3 sieht so gleich ganz anders aus: » weiterlesen
Facebook ist nicht erst seit dem Wahlsieg von Barack Obama ein gewichtiges Tool für die politische Kommunikation geworden. Zahlreiche Parteien und einzelne Politiker, Interessengruppen und Verbände sowie politische Kampagnen und lose Gruppen zu politischen Themen sind auf dem weltgrössten Social Network (das kürzlich die Schwelle von 500 Millionen Mitgliedern überschritten hat) vertreten.
Eine Möglichkeit, hier den Überblick zu behalten, ist der Facebook-Radar der Website Politnetz.ch. Er sammelt Facebook-Gruppen und -Seiten aus der Schweiz, die sich mit politischen Themen beschäftigen. Sortiert werden die Gruppen und Seiten nach Mitgliederzahlen (auf- oder absteigend). Auf den Rängen 1 bis 3 derzeit: Eine Initiative gegen ein Rauchverbot in Lokalen, eine für Schweizerdeutsch oder Mundart im Unterricht und eine, die sich gegen einen EU-Beitritt der Schweiz ausspricht.
Ein guter Einstieg in die politische Landschaft der Schweiz auf Facebook: politnetz.ch/facebook
Update: Der Facebook-Radar lässt sich nun auch nach der Wachstumsrate der Gruppen und Pages sortieren.
Den Schweizer Dialog gibt’s natürlich auch bei Facebook.
Fehler, die zur globalen Finanzkrise führten, werden auch in der Diskussion um die globale Erwärmung gemacht. Die Erkenntnisse zur Finanzkrise geben uns darum die Handlungsanweisung, wie wir mit der drohenden Klimaveränderung umgehen müssen.
Von Andreas Binder

Carl Friedrich Gauss
Wir alle kennen die Theorie der Normalverteilung des Mathematikers Carl Friedrich Gauss und dessen berühmte Glockenkurve. Wie viele andere Modelle basieren auch die Risikomodelle der Banken auf der Annahme der Normalverteilung, wenn es um Prognosen für Kursschwankungen von Aktien oder Obligationen oder um die Einschätzung anderer Risken an den Finanzmärkten geht. Man betrachtet die Kursveränderungen der Vergangenheit und berechnet daraus den grössten maximalen Verlust, den man z.B. in einem oder in 10 Tagen mit 99% Wahrscheinlichkeit erleiden kann; das eine Prozent an den Enden der Kurve bleibt unberücksichtigt.
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Flexibilität und Lernbereitschaft müssen von Unternehmen aktiv gefördert werden, schrieben wir hier vor zwei Wochen, denn Einflüsse von aussen steigern die Kompetenzen und Kenntnisse von Mitarbeitenden. Weiterbildung ist darum keine Verschwendung kostbarer Arbeitszeit, sondern im ureigenen Interesse von Organisationen. In diesem Zusammenhang steht auch das Milizsystem der Schweiz. Kathrin Hilber, Regierungsrätin des Kantons St. Gallen, ist es ein Anliegen, dass die ehrenamtliche Arbeit im Milizsystem erhalten bleibt.
«Engagements in Staat und Familie sind gewinnbringend», sagt Hilber. Sie sollten von Unternehmen als positive Zusatzerfahrungen bewertet werden, nicht als lästige Einflüsse von aussen. Wer «ausserberufliche Verantwortung in Politik, Schule, Kirche, Kultur oder im familiären Generationenverbund übernimmt», müsse darum auf entsprechend zeitflexible Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt zählen können.
» Hier können Sie dieses Statement von Kathrin Hilber bewerten und diskutieren
Stakeholderdialoge sind seit einigen Jahren in aller Munde, und eine optimistische Lesart mag dies als Indiz dafür deuten, dass eine kollaborative Grundhaltung zwischen Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Akteuren das eher konfrontative Gegenüberstehen vergangener Tage abgelöst hat. Aber Vorsicht ist geboten, denn während Einigkeit darüber besteht, dass Stakeholderdialoge allen Beteiligten Chancen bieten, bleiben sie gleichzeitig im Ergebnis oftmals enttäuschend.
Von Ernst von Kimakowitz
Aus dieser Erkenntnis leiten sich drei Fragen ab, auf die ich hier eingehen möchte:
- Wer sind eigentlich Stakeholder?
- Welche Chancen ergeben sich aus gelungenen Stakeholderdialogen für eine Unternehmung?
- Wie sollten Stakeholderdialoge ausgestaltet werden, damit sie gelingen können?
Stakeholder sind … ja, wer eigentlich?
Grundsätzlich sind Stakeholder einer Unternehmung all diejenigen Menschen, die von Unternehmenshandlungen betroffen sind oder aber Betroffene berechtigterweise vertreten – zukünftige Generationen eingeschlossen. Stakeholder sind also eine flexible Gruppe und lassen sich nicht statisch definieren. So wie sich unternehmerische Aktivitäten verschieben, so wandeln sich auch die Stakeholder einer Unternehmung, kommen hinzu oder fallen weg.
Entscheidend dabei ist, dass ein Stakeholder darlegen kann, wie er oder sie von Unternehmenshandlungen betroffen ist. Kurzum, nicht die Unternehmung bestimmt, wer ihre Stakeholder sind, sondern die Stakeholder selbst machen sich zu diesen.
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Flexibilität und Lernbereitschaft werden heutzutage von jedem Mitarbeiter erwartet. Jedem Berufseinsteiger ist klar, dass es sich dabei um Tugenden handelt. Doch ein Unternehmen darf diese Tugenden nicht bloss beim Vorstellungsgespräch voraussetzen, sondern muss sie auch danach aktiv fördern – im eigenen Interesse:
«Langfristig sicher beschäftigt ist, wer Neuem gegenüber aufgeschlossen ist. Verantwortungsbewusste Unternehmen akzeptieren deshalb für Förderungen und Schulungen ihrer Mitarbeiter hierfür vorübergehend auch Einbussen», sagt der Jurist und Politiker Rolf Schweiger (hier das Statement lesen und diskutieren). Michael Pieper, CEO und Inhaber der Franke Gruppe, unterstützt die Weiterbildung unter anderem durch Auslandstransfers (Statement lesen und diskutieren).
Und Sybille Sachs, Leiterin des Instituts für strategisches Management an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich, bringt es auf die Formel: «Förderung von gemeinsamen Lern- und Erfahrungsprozessen sichern langfristige Profitabilität: Interaktiver Fit schafft Profit» (Statement lesen und diskutieren).
Im Essay «Die Schweiz, vom belächelten Auslaufmodell zur respektierten Ausnahme», den die Julius-Bär-Gruppe publiziert und wir hier kürzlich empfohlen haben, werden die Schweiz, ihre Befindlichkeiten, Stärken und Schwächen mit liebevollem Augenzwinkern beschrieben – eine lohnenswerte Lektüre. Einen etwas anderen Blick auf das Identitätsstiftende des Landes wirft das Buch «Schweizer Mobiliar. Ikonen des öffentlichen Raums», herausgegeben von Paul Schneeberger und erschienen im Verlag NZZ für 34 Franken.
Es widmet sich den – auf den ersten Blick profanen – Dingen auf den Strassen und Plätzen, die die Schweiz ausmachen: Zeitungskästen von «20 Minuten» und Co. etwa, Aufgebotsplakate der Armee oder der alte Erstklass-Fauteuil der SBB.
«Tagesanzeiger.ch» stellt das Buch vor und präsentiert eine Auswahl der «Ikonen» als Bildergalerie: «Was die Schweiz ausmacht» – lesenswert sind auch die Ergänzungen und Einwände in den Kommentaren unter dem Artikel.
Der renommierte Privatbankier Konrad Hummler wünscht sich in seinem aktuellen Anlagekommentar wieder mehr «Charakterorientierung». Er fordert eine Abkehr von rein monetären Anreizsystemen, die letztlich nur zu «Söldnertruppen» führten.
Augenöffnend ist die These, wonach die Kurzfristorientierung vor allem durch das hohe Zinsniveau in den 1970er Jahren gefördert wurde; dieses habe dazu verleitet, in der Gegenwartswert-Berechnung (Summe der Discounted Cash Flows) die Zukunft etwas auszublenden. Richtig verstanden, bleibe die Shareholder-Value-Orientierung richtig. Provokant ist Hummlers Plädoyer gegen das CEO-Modell zentraler Führung – lesen Sie selbst Konrad Hummlers originellen Beitrag «Von der Gier zum Anstand» (PDF).
«Die Schweiz, vom belächelten Auslaufmodell zur respektierten Ausnahme». So lautet der Titel eines Essays über die Stärken – und auch Schwächen – der Eidgenossenschaft, den das Bankhaus Julius Bär im Juli veröffentlicht hat.
Die Schweiz hat die 2008 ausgelöste Finanzkrise bislang glimpflich überstanden, und in der Euro-Krise zeigt sich die Stabilität der Schweizer Währung. Zu einem guten Teil der Krise verdankt das Land also seine derzeitige Wiederentdeckung, nachdem sie nach der Auflösung des Ost-West-Konflikts eine Weile identitätslos geblieben war – scheinbar. Tatsächlich hat sich nicht viel geändert ausser der jeweiligen Sicht auf die Dinge.
«Kein anderes Land stellt sich so leidenschaftlich grüblerisch in Frage wie die Eidgenossenschaft», formuliert die Julius-Bär-Publikation, das Land sei «inhärent konservativ», seine Bürger definierten sich «essenziell über die Arbeit», seien «pragmatisch und konkret» und daher immun gegen «Ideologien und Theoriewahn». Das Erfolgsgeheimnis der Schweiz sei, «dass sie so schwierig ist» mit ihren vier Landessprachen und der Macht der Kantone.
Ein sehr lesenswerter Text über die Schweiz, der nicht zuletzt der eigenen Bevölkerung zeigen soll, was sie an ihrem Land «im Schatten von Alpen und Europapolitik» hat und wofür es sich einzustehen lohnt. Und ein Text, der glücklicherweise durchaus mit realistischem Augenzwinkern verfasst wurde:
«Die Schweiz lässt sich immer wieder grandios überrumpeln. Und sie holpert sich lieber durch Krisen, als entschlossene Führung zu akzeptieren. Darüber nimmt sie auch in Kauf, unbeholfen und überfordert zu wirken. Eleganz ist kein Schweizer Wesenszug.»
» Die Veröffentlichung gibt es auf der Website der Julius-Bär-Gruppe zum Download (PDF) oder gedruckt zu bestellen.