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Das BIP ergänzen: Aymo Brunetti im Interview

Aktuelles, Top - 30. Mai 2011 um 13.15 Uhr , 0 Kommentare Kommentare

Das BIP misst unseren Wohlstand, nicht messbare Faktoren bleiben unberücksichtigt. Seco-Ökonom Aymo Brunetti schlägt im Interview mit der NZZ begleitende Indikatoren vor.

Aymo BrunettiDas Bruttoinlandprodukt (BIP) misst die Produktion von Gütern und Dienstleistungen, die auf Märkten gehandelt werden. Diese Messung hat Vorteile wie die Vergleichbarkeit über Jahre und Länder, blendet gleichzeitig aber auch Faktoren aus, die zur Steuerung einer Volkswirtschaft nützlich sein könnten. Der Seco-Ökonom Aymo Brunetti plädiert am 26. Mai 2011 in der NZZ dafür, das BIP um begleitende Indikatoren zu ergänzen.

Brunetti sieht drei wesentliche Bereiche, in denen zusätzliche Indikatoren nützlich sein könnten:

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Nachhaltigkeit: Das Verursacherprinzip ist zentral und anerkannt: «Jede Technologie sollte ihre Kosten voll tragen», so Brunettis Votum. Oft bleibt es allerdings beim Wunsch, die Umsetzbarkeit scheitert an politischem Widerstand oder an der fehlenden Möglichkeit, etwa die potenziellen Unfallkosten einzuschätzen, die ein AKW-Unfall mit sich bringen würde. Wird das Verursacherprinzip nicht durchgehend angewandt, sind die entsprechenden Kosten im BIP auch nicht berücksichtigt. Brunetti sieht es deshalb als sinnvoll an, das BIP um begleitende Indikatoren zu ergänzen.

Einkommensverteilung: Die Zufriedenheit der Bevölkerung hängt erwiesenermassen mit der Einkommensverteilung zusammen. Aymo Brunetti sieht verschiedene Möglichkeiten, diese Einkommensverteilung zu messen, etwa den Gini-Koeffizienten oder das Verhältnis der ärmsten 10 Prozent zu den reichsten 10 Prozent. Die Frage, was die ideale Verteilung ist, ist allerdings eine subjektive und politische. «Ich finde es wichtig, dass man solche Indikatoren zur Verfügung stellt, aber es ist nicht einfach, diese zu interpretieren.», meint Brunetti

Glück: Die Glücksforschung sei in der Ökonomie stark im Aufwind, konstatiert Aymo Brunetti. Für ihn ist klar, dass man das BIP zusammen mit Glücksindikatoren anschauen muss. Allerdings stellt er auch fest, dass Glücksindikatoren mit dem BIP-Wachstum korrelieren: Die Zufriedenheit steigt mit dem Wachstum einer Volkswirtschaft. Brunetti hält diese Indikatoren aber interessant, um die Qualität des Wachstums zu evaluieren.

» Das BIP ist kein Mass für Glück; Aymo Brunetti in der NZZ vom 26. Mai 2011

 

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