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Interview: Eric de Rothschild über Geld und Moral

Aktuelles - 21. Juli 2010 um 17.24 Uhr , 5 Kommentare Kommentare

Für die «Zeit» haben Claude Baumann und Peer Teuwsen ein langes Interview mit Eric de Rothschild geführt. Der 69-jährige Bankier, der an der ETH Zürich studiert hat, spricht darin über sich und die Familie Rothschild sowie über die Produkte der Weingüter, die er führt, aber er spricht auch über die Themen des Schweizer Dialogs: Über Moral in der Finanzbranche, den Sinn von Regulierungsmassnahmen und über die Legitimität sehr hoher Einkommen (Rothschild selbst zahlt sich übrigens kein Salär mehr aus).

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Kommentare

  1. De Rothschild gibt zwei Argumente für die hohen Gehälter in der Finanzbranche an:
    1. In der Finanzbranche gebe es eine höhere Wertschöpfung als in anderen Branchen.
    2. Hohe Gehälter sind fürs Gemeinwohl positiv, da damit höhere Steuer- und Vorsorgebeiträge geleistet werden und mehr konsumiert wird.

    Damit weicht er einerseits der Frage nach der Lohngerechtigkeit aus, die ja immer mit einem Vergleich von verschiedenen Tätigkeiten verbunden ist, andererseits führt er einen Maßstab für die Berechnung von Löhnen ein – nämlich die mit der Tätigkeit verbundene Wertschöpfung.

    Das Problem, dass man kaum messen kann, wie viel »Wert« eine Berufstätigkeit schafft, nimmt er dabei nicht in den Fokus. Tatsächlich kann man sich gerade beim Bankier fragen: Wenn ein Kunde Geld anlegt und es durch die Hilfe des Bankiers vermehren kann – wurden die entsprechenden Werte nicht anderswo geschaffen, z.B. in der Fabrik eines Unternehmens?

    Generell kann man sich fragen: Welche Argumente können dafür ins Feld geführt werden, dass jemand mehr verdienen soll als nötig ist, um sich eine komfortable Existenz zu ermöglichen? Rothschild sagt ja diesbezüglich nur, man stelle sich diese Frage gar nie.

    ***

    Die Frage »Wenn es der Wirtschaft nützt, wie kann es dann unmoralisch sein?« verstehe ich generell nicht. Meint Rothschild damit, »gut« im ethischen Sinne sei all das, was »der Wirtschaft nützt«? Und
    wie muss man das genau verstehen?
    Um ein etwas abstruses Beispiel zu konstruieren: Beim Wäscheholen demoliere ich spasseshalber das teure neue Mountainbike meines Nachbarn – was natürlich der Wirtschaft nützt: Der Nachbar wird seine Ersparnisse angreifen, um das Fahrrad reparieren zu lassen.

  2. Daniel sagt:

    Bin auch nur via Tweet hierauf aufmerksam geworden.. Also:
    Sie meinen, dass man den Wert einer Arbeit kaum messen kann; ausserdem fragen Sie ob/weshalb “jemand mehr verdienen soll als nötig ist, um sich eine komfortable Existenz zu ermöglichen”.
    Rothschild sagt (neben Wein, Mitterand, Griechenland,..), dass Kunden Vermoegensberatung mehr als bsp. Fliessbandarbeit in der Fabrik wert sei, und sie deshalb mehr dafuer zu zahlen bereit sind.
    Ich denke, Rothschild hat hier Recht. Auch ich finde die verdammten Boni viel zu hoch, und wegen der SP weiss ich auch, dass die Banker alle ueberbezahlt sind, 1:12 eine vernuenftige Idee ist, Dougan ein Arschloch und das Ganze sowieso unfair ist.
    Doch dabei werden Argumente des “freien Marktes” etwas vergessen: Mal ohne die Steuern zu beachten: “Wenn zwei Menschen freiwillig tauschen, erlangen beide einen Profit – es geht ihnen anschliessend besser als vorher. Wenn in einem freien Markt jemand reich wird, dann ist dies nur ein Zeichen dafuer, dass er seinen Mitmenschen einen grossen Nutzengewinn bereitet – sonst waeren sie nicht bereit mit ihm zu tauschen.”

    Und natuerlich sollte niemand mehr verdienen als noetig ist, ihm ein komfortables Leben zu ermoeglichen – doch ein solches System funktioniert nunmal nicht – Menschen strengen sich nicht an, wenn sie nichts davon haben (nicht mehr verdienen). Sorry, Kommunismus. Hinzu kaeme noch die Problematik, zu bestimmen wieviel denn dafuer “notwendig” waere. Klappt nicht.

  3. Ich glaube nicht, dass »das Argument des freien Marktes« auf so komplexe Angelegenheiten wie das Anlegen von Geld angewandt werden kann. Wenn man sich schon nur überlegt: Wie viel ist es mir wert, dass mir Person X einen Hinweis gibt, wie ich mein Geld investieren könnte – überfordert diese Frage nicht jede Person?

    Darüber hinaus ist die Motivation, welche Menschen dazu veranlasst, mehr Geld verdienen zu wollen, als sie zu einem komfortablen Leben benötigen, m.E. eine äußerst zweifelhafte – und ebenso komplexe…

  4. Daniel sagt:

    Diese Argumente stammen nicht von mir, finde ich aber einleuchtend. Ich denke naemlich, dass ich sehr wohl in der Lage bin zu entscheiden, ob mir Vermoegensberatung den Preis wert ist, und werde Rothschilds Dienste entsprechend in Anspruch nehmen (oder eben nicht). Wenn ich von seinen Tipps mehr habe als vom entsprechenden Geld dafuer, dann tausche ich. Wenn ich seine Tipps als ueberteuert erachte (bzw. dieses Risiko nicht eingehen will), halt nicht. Ich denke nicht, dass diese Frage wirklich jede Person ueberfordert..

  5. [...] Ein CEO sollte aus Image-Gründen darauf verzichten, höhere Gehälter einzustreichen als er braucht, wenn er die denn selber bestimmen kann. Doch wenn du ein Unternehmen hättest, das u.A. dank dir [...]